Dienstag, 12. Juli 2011

Abstieg am grünen Tisch

 

Bittere Entwicklung: Auf Derbys gegen den VfR Sersheim wird der TSV Kleinsachsenheim (weiße Trikots) in der neuen Saison verzichten müssen. Ein Urteil des WFV-Verbandsgerichts hat zur Folge, dass sich die Abschlusstabelle der Kreisliga A 3 ändert und der TSV als neuer Letzter in die Kreisliga B absteigt. Foto: Jens Christ

Schockstarre, Frust, Verärgerung - ein Mix aus diesen drei Emotionen war gestern bei den Verantwortlichen des TSV Kleinsachsenheim zu spüren. Durch ein Urteil des WFV-Verbandsgerichts vom 5. Juli steht fest: Die erste Fußball-Mannschaft des TSV rutscht im Nachhinein auf den letzten Platz der Fußball-Kreisliga A 3, steigt somit ab und tritt in der neuen Saison anstelle des FV Kirchheim in der Kreisliga B 5 an. Damit hat die Stadt Sachsenheim in der neuen Saison keinen A-Ligisten mehr. "Das Entsetzen ist groß. Wir stehen unter Schock", sagt Spielleiter Kurt Hörer.

Hintergrund ist die erfolgreiche Berufung des eigentlichen Schlusslichts FV Kirchheim gegen ein Urteil des Sportgerichts Enz/Murr vom 24. Mai. Nachdem es bei der Partie zwischen dem VfR Sersheim und Kirchheim beim Stand von 6:0 zu Ausschreitungen und einem Spielabbruch gekommen war, hatte das Bezirksgericht das Duell in erster Instanz für beide Teams mit 0:3 als verloren gewertet.

Das Verbandsgericht korrigierte nun diese Entscheidung und sprach den Kirchheimern am grünen Tisch nachträglich drei Punkte zu, die für sie nun den Klassenerhalt bedeuten - und für Kleinsachsenheim im Umkehrschluss den Abstieg. Bereits gestern ist die offizielle Abschlusstabelle korrigiert worden. "Die Entscheidung ist eindeutig und endgültig, es ist kein Einspruch möglich. Wir müssen das Urteil so umsetzen", sagt der Bezirksvorsitzende Hans-Jörg Arnold.

Ausschlaggebend für den abgeänderten Richterspruch sei laut Frank Thumm, Leiter der WFV-Rechtsabteilung, eine weitere Stellungnahme des Schiedsrichters zu dem Fall gewesen. Seiner Aussage zufolge hat sich der mit Rot vom Platz gestellte Kirchheimer gegen einen Sersheimer Zuschauer verteidigt, der auf den Rasen gestürmt war und ihn attackiert hatte. "Ursache und Anlass des Spielabbruchs war der Zuschauer, der nichts auf dem Feld zu suchen hatte. Das Fehlverhalten des Kirchheimer Spielers ist mit einer persönlichen Strafe abgegolten", erklärt Thumm und verweist auf die WFV-Spielordnung, wonach ein Verein für seine Anhänger verantwortlich ist. Dass nun die Kleinsachsenheimer die Leidtragenden sind und absteigen müssen, nimmt der Jurist, der selbst in Sachsenheim wohnt, mit professionellem Gleichmut zur Kenntnis: "Maßgeblich ist für uns der Sachverhalt und nicht, ob es in der Tabelle zu Verwerfungen kommt."

Der TSV Kleinsachsenheim will die Entscheidung freilich nicht so ohne Weiteres über sich ergehen lassen. "Wir werden den Sachverhalt genau prüfen und alle rechtlichen Mittel ausschöpfen", kündigt Fußball-Abteilungsleiter Matthias Eigel an. Er und die anderen TSV-Macher wollen jetzt aber erst einmal die genaue Begründung des Urteils abwarten. Diese plant der WFV, noch in dieser Woche an die beteiligten Vereine zu schicken.

Für die Kleinsachsenheimer, die nach einem verlorenen Relegationsspiel in Sternenfels gegen Nussdorf (0:1) ursprünglich nur durch den Bezirksliga-Aufstieg des TSV Phönix Lomersheim in der Liga geblieben waren, hat der unerwartete Abstieg gravierende Folgen. Denn die Planungen waren voll auf die Kreisliga A ausgerichtet. Der Klub hatte sich mit drei Spielern verstärkt und ein Trainingslager geplant. Einige wechselwillige Akteure waren nur beim TSV geblieben, weil dieser auch 2011/2012 in der Kreisliga A gekickt hätte. Inzwischen ist die Wechselfrist abgelaufen. Verein, Funktionäre, Spieler und Fans müssen sich wohl oder übel mit der neuen Lage arrangieren. "Die Situation ist unbefriedigend, wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Es ist ärgerlich, dass der Verband erst jetzt entschieden hat und wir nicht mehr agieren können", klagt Eigel.



Bezirk Enz/Murr