Dienstag, 21. Juni 2011

WM-Schub dringend nötig

Von unserem Redaktionsmitglied Gisbert Niederführ

Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Was bringt sie für den Amateurfußball? Profitieren davon auch die Rems-Murr-Kickerinnen? Zumindest der Nachwuchs hätte es durchaus nötig.

„Bei den Frauenmannschaften ist die Situation gut“, sagt Cornelia Drixler, im Bezirk Rems-Murr für den Frauenfußball zuständig. „Im Jugendfußball aber sieht’s schlecht aus.“ Da wäre ein Schub durch die Weltmeisterschaft willkommen.25 Vereine bieten derzeit Frauenfußball an, darunter sind drei Spielgemeinschaften; das heißt, sie treten nur bei den Aktiven an. Bei den Frauen gebe es seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum. In der vergangenen Spielzeit stellte der Bezirk Rems-Murr sogar erstmals eine eigene Bezirksstaffel.In der Jugend dagegen werden es weniger. Bei den E-Juniorinnen waren es in der Saison 2010/11 nur noch drei Mannschaften (vorher fünf), bei den D-Juniorinnen sieben (vorher acht). Drixler: „Das ist schon sehr wenig. Acht bis zehn wären sinnvoll.“ In der C-Jugend sind es dagegen zwei mehr geworden (zwölf), in der B-Jugend sind es weiterhin 14 Mannschaften.Hohe Hürde für die VereineWarum es die Mädchen nicht mehr so sehr zum Fußball zieht wie in den Jahren zuvor, kann sich Cornelia Drixler nicht erklären. Die Waiblingerin ist erst seit zwei Jahren für den Frauensport im Bezirk zuständig. Zumindest bisher hat das Vorbild der Nationalmannschaft nichts bewirkt. Ob sich das nun durch die WM ändert? Drixler: „Ich hoffe es.“Dass sich weitere Vereine allerdings dem Mädchen- und Frauenfußball öffnen, glaubt sie nicht. Die Hürde ist hoch. Der Verein muss nicht nur Trainingsmöglichkeiten bieten, sondern auch zusätzliche Umkleidekabinen. Und Trainer. Zumeist übernehmen das Männer. Die dürfen das allerdings nicht alleine, sondern müssen – das ist Verbandsvorschrift – eine Frau an der Seite haben.Nicht beklagen kann sich Drixler über das Niveau bei den Frauen. Immerhin hat es die Spvgg Rommelshausen in die Verbandsliga geschafft, in der Landesliga sind SV Hegnach, TSV Bad Rietenau und nun auch Aufsteiger SV Winnenden. Bei den „Römerinnen“ jedoch läuft es nicht mehr rund. Trainerwechsel, Niederlage um Niederlage – mit Müh’ und Not wurde der Klassenverbleib geschafft. Zufrieden dagegen ist Drixler mit SV Hegnach und SV Winnenden. „Da läuft es richtig gut.“Die Fußball-WM haben Verband und Bezirk schon im Vorfeld zur Werbung genutzt, beispielsweise mit dem Team-2011-Wettbewerb in Zusammenarbeit mit Schulen. Der Bezirk bietet verstärkt Trainerschulungen an, die SG Schorndorf einen Mädchentag, andere Vereine setzen während der WM auf Schnuppertrainingseinheiten.Ob das auch dem Rems-Murr-Fußball gibt? Cornelia Drixler bleibt vorsichtig. Sie wäre schon froh, wenn die Mannschaftszahlen erhalten bleiben.