Samstag, 9. Juli 2011

Fußball-Fall bleibt spannend

 

Sollte dem 1. Göppinger SV (rechts) ein Vergehen nachgewiesen werden, könnte der FSV 08 Bissingen (links Marc Thomas) der Nutznießer sein. Foto: Jens Christ

Am nächsten Dienstag wird der FSV 08 Bissingen der Einladung des Württembergischen Fußballverbands folgen und am Verbandsliga-Staffeltag teilnehmen. Einen Tag zuvor treffen sich die Oberliga-Vereine. Doch noch ist das letzte Wort über die Zusammensetzung beider Ligen nicht gesprochen.

Zwar hat das WFV-Sportgericht der Verbands- und Landesligen gestern Nachmittag den Bissinger Einspruch gegen die Wertung der beiden Spiele gegen den 1. Göppinger SV aus der vergangenen Saison (0:5, 0:2) zurückgewiesen, weil der Klub vom Bruchwald die Einspruchsfrist von zehn Tagen nicht eingehalten habe. Davon unberührt bleibt aber das Verfahren gegen Göppingen. Der Verband ermittelt gegen den Vierten der abgelaufenen Verbandsliga-Spielzeit, ob er Vertragsspieler-Verträge nicht rechtzeitig angezeigt, falsche Angaben auf Spielerlaubnis-Anträgen gemacht und unerlaubt Akteure eingesetzt hat. Ins Rollen gebracht hatte den Fall der frühere Göppinger Fußballer Dominik Mader. Er beschuldigt seinen Ex-Verein, mehrere Akteure eingesetzt zu haben, die zu dem Zeitpunkt keine Mitglieder im rechtlichen Sinne gewesen seien (wir berichteten). In einer Pressemitteilung ließ der WFV gestern verlautbaren, dass mit einer Entscheidung nicht vor Freitag, 15. Juli, zu rechnen sei.

Thorsten Majer, der Anwalt von 08 Bissingen, hat inzwischen Akteneinsicht genommen - und fühlt sich bestärkt. "Wir sind guter Dinge und werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen", sagt der Jurist und Privatdozent für Sportrecht und glaubt an einen Erfolg: "Die bisherigen Erklärungen der Gegenseite sind nicht schlüssig und teilweise abenteuerlich. Es gibt mindestens vier, eher fünf Zeugen, die vor dem Sportgericht und, falls notwendig, vor einem ordentlichen Gericht jederzeit aussagen würden, dass sie keinen Mitgliedsantrag unterschrieben haben." Majer und der FSV 08, dem von jetzt an nur noch die Beobachterrolle bleibt, haben Zeugenaussagen und Dokumente beim Verband eingereicht, die ins Sportgerichtsverfahren gegen den 1. Göppinger SV einfließen sollen.

Majer verweist auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 2010 und pocht auf Gleichbehandlung, sollten sich die Vorwürfe gegen Göppingen erhärten. Damals war der TSV Notzingen aus dem Bezirk Neckar/Fils hart bestraft worden. Bei einem Verfahren gegen dessen einstigen Spielertrainer wegen Schiedsrichterbeleidigung kam heraus, dass dieser gar kein Mitglied im Verein gewesen ist. Daraufhin eröffnete der WFV ein Verfahren, stellte das Vergehen fest, verurteilte den TSV und wies auch die Berufung in letzter Instanz zurück - drei Tage vor Beginn der neuen Runde. Die Notzinger verloren drei Monate rückwirkend zum Saisonende elf Spiele mit 0:3 und stiegen in die Kreisliga B ab. Geschützt sind laut Spielordnung nur Partien, die länger als drei Monate zurückliegen. Glück für Bissingen: Das verlorene Rückrundenspiel in Göppingen vom 15. März liegt gerade noch in diesem Zeitraum.

"Die Sache kann sich weit in den August hinziehen", sagt Majer. Das könnte freilich kuriose Folgen haben. Denn sollte Göppingen tatsächlich nachträglich Spiele am grünen Tisch verlieren und Bissingen drei Punkte dazubekommen, wäre der FSV 08 Meister und würde den SV Bonlanden in der Oberliga ablösen - selbst wenn der bis dahin schon Spiele in Baden-Württembergs Fußball-Oberhaus ausgetragen hat. In dem Fall würde Bissingen laut WFV-Statuten die bisherigen Bonlandener Ergebnisse in der Oberliga übernehmen und die Filderstädter jene der Nullachter in der Verbandsliga.