Freitag, 8. Juli 2011

Kleines Rad im großen Fifa-Apparat

 

Freiwillige WM-Helfer: Oliver Mayer und seine Volunteer-Kollegen sind in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena am Welcome Desk erste Ansprechpartner für die angereisten Journalisten aus dem In- und Ausland. Foto: Avanti/Ralf Poller

Puma ist tabu. Wenn Oliver Mayer während der Fußball-WM der Frauen zu seinem Einsatzort nach Sinsheim fährt, muss er penibel darauf achten, was er anzieht. Erlaubt ist nur die Kleidung, die der offizielle Ausrüster Adidas zur Verfügung gestellt hat - Kappe, Polo-Hemd, T-Shirt, Regen- und Trainingsjacke, Hose, Socken, Schuhe und Tasche.

Mayer ist einer von 3000 Freiwilligen, die während der Weltmeisterschaft an den neun Standorten helfen - und damit mittendrin im Geschehen sind statt nur als Zuschauer dabei. In der Rhein-Neckar-Arena arbeitet der 31 Jahre alte Bietigheimer am so genannten Welcome Desk als Medien-Volunteer. Gemeinsam mit drei oder vier Kollegen nimmt er an den Spieltagen die Journalisten aus dem In- und Ausland in Empfang, verteilt Karten für die Medientribüne, Parktickets sowie die Zugangsberechtigungen für Pressekonferenz und Mixed-Bereich und ist Ansprechpartner, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Wann trainiert die Mannschaft der USA? Wie kommt man am schnellsten in den Mixed-Bereich? Welche Ehrengäste sind heute im Stadion? Mayer und seine Kollegen wissen auf fast alles eine Antwort. "Es hat Flair, ein kleines Zahnrad in einem so großen Apparat zu sein, auch wenn es sehr viele Regularien zu beachten gibt", sagt Mayer.

Die Fifa-Sprache Englisch ist ihm und den Helfern am Empfang schon ins Blut übergegangen. "Man spricht jeden Journalisten automatisch erst mal auf Englisch an, obwohl der vielleicht nur aus Mannheim kommt", erzählt Mayer und schmunzelt. Bei den drei Vorrundenpartien Nigeria gegen Frankreich (Eröffnungsspiel), USA gegen Kolumbien und Neuseeland gegen Mexiko hatte er ordentlich zu tun und genug Gelegenheit, sein Englisch aufzupolieren. Abgesehen von den Spieltagen begleitete er bisher zweimal die obligatorische Pressekonferenz und das Training einen Tag vor dem Spiel. Sein letzter WM-Einsatz ist am 16. Juli, wenn das Duell um Platz drei in Sinsheim steigt - möglicherweise sogar mit deutscher Beteiligung.

Als Pressesprecher des Eishockey-Zweitligisten Bietigheim Steelers hat Mayer eine große Affinität zu seinem Medienjob bei der WM. Durch die Kenntnisse und Erfahrungen hatte er in der Bewerbungsrunde im Februar beste Chancen, um als einer von 284 Volunteers in Sinsheim eingestellt zu werden. 1500 Kandidaten hatten im Vorfeld ihr Interesse bekundet, bei dem Großereignis mitzuwirken - ohne Bezahlung. Denn mehr als die Ausrüstung des Sponsors gibt es nicht.

Mayer, der im Hauptberuf bei einer Bank arbeitet und für die WM-Einsätze Gleitzeit nimmt, ist froh, sich für den Freiwilligen-Dienst beim Weltverband Fifa gemeldet zu haben. "Ich war neugierig darauf, Teil eines so großen Events zu sein. Es macht Spaß, mit anderen zusammenzuarbeiten, und man lernt viele Charaktere kennen", sagt der 31-Jährige, der zudem nach eigenem Bekunden auch neue Impulse für seine Pressesprecher-Tätigkeit bei den Steelers bekommen hat. Und Zeit, ein WM-Spiel zumindest phasenweise von der Tribüne aus anzuschauen, bleibt auch. Die rund 70 Kilometer Anfahrt von Bietigheim zur Rhein-Neckar-Arena nimmt er also gern in Kauf.

Keine Frage: Mayer ist auf den Geschmack gekommen. "Das wird sicher nicht mein letzter Einsatz als Volunteer in meinem Leben sein", sagt er begeistert und verweist auf das Beispiel einiger Mitstreiter: "Für manchen ist die Frauen-WM schon das 20. Event. Ich kenne Volunteers, die schon bei der Leichtathletik-WM oder beim Eurovision Song Contest mitgeholfen haben." Da überrascht es nicht, dass Mayer sich im Internet schon einmal schlau gemacht hat, für welches Großereignis demnächst wieder Freiwillige gebraucht werden. Er ist fündig geworden: Derzeit sucht der europäische Fußballverband Uefa Volunteers für die Europameisterschaft vom 14. Juni bis zum 30. September in Polen und der Ukraine.