Donnerstag, 9. Juni 2011

Ort der Träume

Von Eric Schmidt

Fussball - Von Mosbach sind es 23 Kilometer, von Eppingen 22 Kilometer. Waibstadt liegt schön mittendrin zwischen diesen beiden Städten und ist ein idealer Austragungsort für ein Relegationsspiel zur Fußball-Verbandsliga, wie es am Freitag, 18.30 Uhr, zwischen dem VfB Eppingen und dem FV Mosbach steigt. Doch ganz so neutral wie die Schweiz ist der "neutrale" Platz im Biesig-Stadion dann doch nicht. Zumindest nicht für Markus Stumpf. Der Stürmer der gastgebenden SG Waibstadt wird morgen Abend Farbe bekennen − und parteiisch sein. "Mein altes VfB-Trikot hab" ich schon rausgesucht. Das zieh" ich auf jeden Fall an", sagt der 28-Jährige.

Fast auf den Tag genau sechs Jahre ist es her. Am 11. Juni 2005 griff Markus Stumpf im roten Hemd des VfB Eppingen im Relegationsfinale gegen den SV Schollbrunn an. Auf seinem Heimatsportplatz in Waibstadt, auf seiner Spielwiese aus Kindertagen, köpfte Stumpf nach Flanke von Michael Mäckel das frühe 1:0 (11.), in der zweiten Halbzeit bereitete er das sehenswerte 2:0 (57.) von Sven Heinzel vor. Am Ende hatte der VfB mit 2:1 die Nase vorn − und stieg mit Trainer Gerd Doll in die Verbandsliga auf.

Glücksgefühle Für Stumpf ist es eines der schönsten Erlebnisse, eines der emotionalsten Spiele in seiner bisherigen Karriere. Erst kürzlich ließ er sich von der Kraichgau Stimme für sein Privat-Archiv ein Foto von damals schicken. Das Bild zeigt ihn, wie er mit ausgebreiteten Armen das 2:0 feiert; es zeigt, wie Dribbler Volkan Guruplar den Torschützen Sven Heinzel von hinten am Trikot zieht; und wie die Eppinger Fans auf der Tribüne jubelnd die Arme hochreißen. "So etwas vergisst man nicht", sagt Stumpf.

Von der Eppinger Erfolgself, die damals vor 1800 Schaulustigen triumphierte, sind nicht mehr viele Spieler dabei. Timo Schwab stand damals im Aufgebot. Und Andreas Schilling. Beide sind auch morgen mit von der Partie − und hoffen, dass sie nun gegen Mosbach ähnlich jubeln können wie vor sechs Jahren gegen Schollbrunn.

Gut vorbereitet sind sie auf das Match. Am Montag legte der VfB einen Pflegetag ein, so dass Physiotheraupeut Stani Murgott alle Hände voll zu tun bekam. Am Dienstag wurde trainiert, gestern wieder regeneriert. Heute Abend steigt das Abschlusstraining, in dem unter anderem Standards geübt werden. "Vielleicht wird ja dieses Spiel durch eine Ecke oder einen Freistoß entschieden", sagt Werner Habiger.

Der VfB-Coach ist guter Dinge. Klar, in der vergangenen Saison sei sein Team in der Relegation am 1. FC Birkenfeld gescheitert. "Aber wir wissen jetzt, wie es geht. Das haben wir den anderen Mannschaft voraus", erklärt der 53-Jährige und betont: "Wir sind ganz anders drauf als letztes Jahr. Es herrscht eine ganz andere Stimmung. Wir wissen, dass wir stark sind − und siegfähig."

Selbstbewusstsein Der VfB, er geht als Vizemeister der Landesliga Rhein-Neckar mit breiter Brust in die Relegation. 21 Mal hat er gewonnen in der zurückliegenden Saison, seit sechs Spielen ist er ungeschlagen. Nicht mit angreifen kann wie schon in den vergangenen Wochen Patrick Menges (Ermüdungsbruch), angeschlagen sind Christian Schweinfurth und Jan-Philipp Kubasta, die sich beim 0:0 im letzten Punktspiel gegen die Spvgg Sandhofen Muskelverletzungen zugezogen haben. "Eigentlich dauert so etwas drei Wochen. Ich hoffe trotzdem, dass sie dabei sind. Wir brauchen sie", sagt Habiger.

Markus Stumpf macht sich keine großen Sorgen. Der Stürmer aus dem neutralen Waibstadt ist überzeugt: "Eppingen gewinnt."

Ort der Träume

Die Welt ist rot und schwarz: Die Fußball-Fans werden den VfB Eppingen auch am Freitag unterstützen. Mindestens ein Fanbus begleitet das Team nach Waibstadt.