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 HerrenBundesliga
Dienstag, 12. Juli 2011

Ein lernbegieriger Ausbilder

Von Alexander Bertok

 

 

"Ich bin Ausbilder für die Bundesliga-Mannschaft. Daran muss ich mich messen lassen."

Frank Kramer

 

Fussball - Frank Kramer kann es gut mit jungen Leuten. Das neue Gesicht auf der Trainerbank der Hoffenheimer U23-Mannschaft hat in den vergangenen Jahren die U19 und die U23 des Zweitligisten Greuther Fürth betreut. Der 39-jährige Allgäuer sieht sich nicht nur als Übungsleiter, sondern vielmehr als Ausbilder, der selbst noch lernen will. Kramer ist Nachfolger von Markus Gisdol, der in der zurückliegenden Saison als Co-Trainer von Ralf Rangnick zum Bundesligisten Schalke 04 gewechselt war.

"Für einen Trainer bin ich noch relativ jung und kann noch viel annehmen", sagt der Dozent für Sport am Institut für Sportwissenschaften in Erlangen. "Das ist für mich ein nächster Schritt. Ich kann meinen Spielern nicht vermitteln, sich ständig weiter entwickeln zu müssen, wenn ich mich selbst nicht daran halten würde."

In der vergangenen Runde hat Kramer seinem jetzigen Arbeitgeber in den zwei Regionalliga-Duellen vier Punkte abgeknöpft. "In Hoffenheim habe ich mit Greuther Fürth 3:2 gewonnen, zu Hause gab es ein 1:1", erinnert sich Kramer und will in der kommenden Saison ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden seines Ex-Clubs verhindern. Vorrangig ist jedoch, die eigenen Talente weiter zu entwickeln. "Ich bin ein Ausbilder für die Bundesliga-Mannschaft. Dafür bin ich geholt worden und daran muss ich mich messen lassen", ist sich der gebürtige Memminger seiner Aufgabe bewusst.

Perspektive


Dem Lockruf aus dem Kraichgau ist der Allgäuer gern gefolgt. "Die Bedingungen und die Perspektive, etwas zu lernen und mich weiter zu entwickeln" − das sind die Gründe für den Wechsel aus Bayern in den Kraichgau. "Ich habe in Hoffenheim gute Leute um mich herum. Ich will Impulse setzen und hoffe, neue zu bekommen." Die Voraussetzungen in Hoffenheim sind anders als in Fürth. Wobei Kramer das Wort professioneller vermeidet. "In Fürth war ich quasi Mädchen für alles und habe mich um vieles selbst gekümmert. Hier muss ich jetzt lernen, bestimmte Aufgaben zu delegieren, kann mich daher auf das Wesentliche konzentrieren und akribischer arbeiten", sagt Kramer.

Knapp zwei Wochen nach seinem Amtsantritt wurde am Samstag das erste Testspiel absolviert. Im Rahmen des 90-jährigen Geburtstags des SV Ballenberg (Ravenstein) endete die Begegnung gegen den Hohenloher Oberligisten FSV Hollenbach mit einem 3:1-Erfolg. Wobei sich der Regionalligist schwer tat und erst in der Schlussphase die entscheidenden Treffer erzielte.

In der 37. Minute war es Franck M"Barga, der das 1899-Team mit dem Rücken zum Tor stehend per Fußsohle in Führung brachte. Nach dem Ausgleich in der 55. Minute durch Christoph Schenk stellten Nicolai Groß (82.) und Björn Recktewald (84.) mit einem Doppelschlag den Sieg sicher.

Noch viel Arbeit


"Das war nicht der Fußball, den wir uns vorstellen", kritisierte der Trainer, "wir haben nicht gut gespielt, es gibt viele Ansatzpunkte, an denen gearbeitet werden muss. Dass wir nicht komplett angetreten sind, ist da keine Entschuldigung." Nachholbedarf hat Kramer in allen Mannschaftsteilen erkannt. "Wir haben uns zu wenig bewegt, hinten zu viel zugelassen und vorne zu wenig erreicht. Es gibt noch viel zu tun. Aber in einer Ausbildungs-Mannschaft gibt es immer viel zu tun, das ganze Jahr über."

1899 Hoffenheim spielte mit: Tim Paterok, Philipp Klingmann, Robin Neupert, Nicolai Groß, Björn Recktewald, Kai Herdling, Hermann Baka, Younes Lamiri, Marcel Meister, Tobias Strobl, Christian Lensch, Joseph Gyau, Frank M"Barga, Anil Sarak, Aaron Berzel.