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Samstag, 9. Juli 2011

Auszeit für den SV Sinsheim

Von Eric Schmidt

Fussball - Der Weg führte Peter Flaig und Reiner Merz nach Epfenbach. Insgeheim aber kamen sich der 1. und 2. Vorsitzende des SV Sinsheim wie bei einem Gang nach Canossa vor. Sie fühlten sich nicht wohl in ihrer Haut. Und mussten eine schmerzliche Entscheidung verkünden. Eine halbe Stunde vor Beginn des Fußball-Kreistags teilten Flaig und Merz dem Kreisvorsitzenden Herwig Werschak mit, dass der SVS passen muss. Dass er seine Herrenmannschaft zurückzieht und nicht am Spielbetrieb der Kreisklasse B1 teilnimmt.

Hiobsbotschaft


"Es fiel uns nicht leicht. Aber es ging nicht anders. Mit acht, neun Spielern kannst du keine Mannschaft melden. Das reicht nicht", sagt Flaig und betont: "Uns war wichtig, es vor dem Kreistag zu sagen. Wir wollten die Vereine nicht in Ungewissheit lassen, wir wollten auch den Staffelleitern nicht x Spielpläne zumuten."

Es ist nicht das erste Mal, dass der SVS eine Auszeit nimmt. Vor sechs Jahren, nach dem Abstieg aus der Landesliga, verschwand der SVS schon einmal kurzfristig im Nichts, um dann nach einem Jahr Pause wieder in der A-Klasse aufzutauchen. Damals war es Peter Pitz, der Allrounder und Tausendsassa, der den SVS als Spielausschuss und Trainer zurück in die Spur brachte.

Es ist nicht ohne bittere Ironie, dass das neuerliche Aus des SVS nun ausgerechnet mit dem Namen Peter Pitz zusammenhängt. Pitz' Ankündigung im April, zur Saison 2011/2012 zur SG Kirchardt zu wechseln, hat den Verein auf dem falschen Fuß erwischt. "Im Januar hat uns Peter Pitz zugesagt, dass er weitermacht bei uns. Unter dieser Prämisse wurden auch die Gespräche mit den Spielern geführt", sagt Flaig. Dann sei der April gekommen und die Erklärung von Peter Pitz. Das habe einige Dinge grundlegend geändert. "Meines Erachtens hatten viele Spieler Peter Pitz zugesagt, aber nicht dem SV Sinsheim", sagt der Clubchef.

Trotz der sportlichen Krise, trotz des Abstiegs aus der A-Klasse: Der SVS hatte bis zuletzt gehofft, doch noch eine Mannschaft stellen zu können. Der Verein hatte zwei Spielertrainer gefunden, die "auch ein paar Spieler mitgebracht hätten", wie Flaig es sagt. "Das Problem war, dass wir von einigen anderen Spielern keine verbindliche Zusagen hatten. Manche wollten immer unterschreiben taten aber es nicht." Letztlich seien die beiden Trainer wieder abgesprungen.

Sauer? Nein, das ist Flaig nicht auf Peter Pitz. "Das sind andere in Sinsheim, ich nicht. Es ist toll und wunderbar, was Peter Pitz hier alles aufgebaut hat. Ich bin nur enttäuscht", erklärt der SVS-Chef. "Von April bis jetzt war einfach die Zeit zu knapp für uns."

Reaktionen


Herwig Werschak nahm den Rückzieher des SV Sinsheim mit großen Bedauern zur Kenntnis. Der SVS, vor einem Jahr 100 Jahre alt geworden, ist der Heimatverein des Kreisvorsitzenden. Und ein Fußballkreis Sinsheim ohne den SV Sinsheim im Spielbetrieb schmerzt. Es soll nicht auf Dauer sein. Peter Flaig und Rainer Merz arbeiten am Comeback. "Wir haben jetzt ein Jahr Zeit. Und wir stehen auch mit jemandem in Kontakt, der dieses Projekt in die Hand nehmen will", erklärt Flaig.

Auszeit für den SV Sinsheim

Unterstützung tut gut: Nach dem Aus ist der SV Sinsheim auf die Hilfe seiner Fans und Mitglieder angewiesen.Foto: Archiv/Krüger