Montag, 11. Juli 2011

Schulfußball für Mädchen

Von unserem Redaktionsmitglied Gisbert Niederführ

Die Fußballerinnen suchen ihren Weltmeister – mittlerweile ohne die deutsche Mannschaft -, und trotz zum Teil mäßiger Leistungen der Nationalteams ist das Interesse am Frauenfußball derzeit groß. In den Schulen spielt Mädchenfußball dagegen keine allzu große Rolle. Dabei könnte das ganz anders aussehen.

Dann nämlich, wenn es die Schulen anpackten wie die Friedensschule Neustadt. Dort boomt Mädchenfußball.Ausgelöst hat den Aufschwung Konrektor Martin Stein. Er ist im Württembergischen Fußballverbandes Mitglied des Schulfußball-Ausschusses und im Rems-Murr-Kreis Schulfußballreferent. „Vor sieben, acht Jahren“, erzählt er, habe er bei einer Sitzung ein Referat über Mädchenfußball gehört. Und weil er direkt darauf angesprochen wurde, ob er das nicht bei sich einrichten könnte, hat er es sofort in die Tat umgesetzt. „Das war von Anfang an ein Knaller“, sagt Stein.Die Schule veranstaltet seit nun sechs Jahren den Tag des Mädchenfußballs und richtet zwei Mädchenfußballturniere aus. Eines für die Klassenstufen drei und vier, eines für die fünften und sechsten Klassen von Haupt- und Realschulen. Stein: „Das Interesse ist groß.“ Zwölf Mannschaften können jeweils nur teilnehmen, manchmal müssen die Ausrichter fast genauso vielen Bewerbern absagen. Stein ist davon überzeugt: „Mädchen wollen Ball spielen“, und dabei nicht nur Handball oder Volleyball.Fußball: im Bildungsplan Grundschule nicht vorgesehenZum Fußballspielen kommen sie allerdings in der Grundschule kaum. Allzu oft wird dort im Sportunterricht fachfremd durch Lehrerinnen unterrichtet, die Fußball nicht als die schönste Nebensache der Welt begreifen. Im Bildungsplan ist für die Grundschule Fußball auch nicht ausdrücklich vorgesehen; genauso wenig wie die anderen Ballsportarten. Es geht um allgemeine Grundlagen, Fähigkeiten wie Fangen, Prellen, Abwehren, Dibbeln. Ab Klasse fünf sieht das schon anders aus: Spiele mit Hand und mit dem Fuß werden gefordert, Fußball, Handball, Volley- und Basketball sind verpflichtend.Martin Stein hält den Ablauf auch für richtig: „In der Grundschule müssen vielfältige Bewegungsanreize gegeben werden. Die Spezialisierung kann später folgen.“ Eine zentrale Rolle spielt dabei der Sportlehrer. Die Friedensschule ist hier bestens versorgt, weil die Schule seit 2005 Partnerschule des Sports ist im Bereich Fußball und zusätzlich einen sport- und bewegungserzieherischen Schwerpunkt hat. So werden auch in der Grundschule die Lehrer innerhalb des Schuljahres so ausgetauscht, dass die Mädchen einen Lehrer mit Fußballerfahrung bekommen. Und weil die Friedensschule mit dem FSV Weiler zum Stein kooperiert, einem Verein mit großer Erfahrung im Mädchen- und Frauenfußball, schauen ab und zu Trainer des FSV bei den Mädchen in Neustadt vorbei.Nationalteam zu Gast in NeustadtSogar die deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft war schon in der Friedensschule in Neustadt. 2005 kamen Birgit Prinz und Co vorbei, trainierten im Neustädter Stadion, das direkt neben der Schule liegt, erst allein und dann mit den Schülerinnen. Kein Wunder, dass viele Schülerinnen Lust auf Fußball bekamen.Auch im Moment, sagt Martin Stein, ist das Interesse wieder groß. „Die Schüler kommen auf einen zu und fragen: Haben sie’s auch gesehen?“ Die Euphorie von 2006, als die Männer-WM in Deutschland stattfand, erreichen die Frauen jedoch nicht. Stein: „Damals war im Sportunterricht gar nichts anders mehr möglich, als Fußball zu spielen.“ Zu befürchten ist, dass nach dem Aus der deutschen Mannschaft, das Interesse nun aber stark zurückgehen wird.